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SemaTrain Fachinformatiker LF1–LF3 verfügbar

LF3 · Analysieren

LF3.7 – IP-Adressierung mit IPv4 und IPv6 einordnen

IPv4 und IPv6 unterscheiden, Präfixlängen verstehen, besondere Adressbereiche erkennen und vorhandene Client-Adressinformationen fachlich analysieren.

Lernfeld 3 · Clients in Netzwerke einbinden

Curriculum-Faden

Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf

Handlungsphase: Analysieren

IPv4- und IPv6-Adressen, Präfixe und zentrale Adresstypen clientbezogen einordnen und Adressinformationen fachlich lesen.

Baut auf

LF3.6 hat die Kommunikation innerhalb des lokalen Netzes auf Ethernet-Ebene eingeordnet.

Bereitet vor

LF3.8 plant auf dieser Grundlage IPv4-Netze und Subnetze.

Bewusste Abgrenzung dieser Lektion

Adresskonzepte verstehen; die systematische IPv4-Subnetzberechnung folgt erst in LF3.8.

Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 3

Berufliche Ausgangssituation

Im fiktiven K-27 Medienbüro kann die lokale Ethernet-Kommunikation nach LF3.6 bereits analysiert werden.

Nun liegen für einen neuen Client folgende Dokumentationswerte vor:

Protokoll Adressinformation
IPv4 192.0.2.25/24
IPv6 2001:db8:27:10::25/64

Die Aufgabe lautet zunächst nicht, ein neues Subnetz zu berechnen.

Die vorhandenen Adressinformationen sollen zuerst fachlich gelesen und eingeordnet werden.

Von MAC zu IP

LF3.6 hat gezeigt, dass MAC-Adressen für die lokale Ethernet-Kommunikation eine wichtige Rolle spielen.

IP-Adressen erfüllen eine andere Aufgabe.

MAC-Adresse

Adressierung auf Ethernet-Ebene im lokalen Kommunikationskontext.

IP-Adresse

Adressierung auf der Internet-Protokoll-Ebene, damit Systeme und Netze logisch adressiert werden können.

MAC-Adresse und IP-Adresse sind nicht dasselbe.

IPv4: 32 Bit

Eine IPv4-Adresse besitzt 32 Bit.

Sie wird üblicherweise als vier dezimale Oktette dargestellt.

Beispiel:

192.0.2.25

Jedes Oktett repräsentiert 8 Bit. Vier Oktette ergeben damit:

4 × 8 Bit = 32 Bit

Für SemaTrain verwenden wir bei normalen IPv4-Beispieladressen insbesondere den nach RFC 5737 für Dokumentation vorgesehenen Bereich 192.0.2.0/24.

IPv6: 128 Bit

Eine IPv6-Adresse besitzt 128 Bit.

Die vollständige Schreibweise besteht grundsätzlich aus acht Gruppen mit jeweils vier hexadezimalen Zeichen.

Beispiel in verkürzter Form:

2001:db8:27:10::25

Der Präfix 2001:db8::/32 ist nach RFC 3849 ausdrücklich für IPv6-Dokumentationsbeispiele vorgesehen.

Dadurch müssen in Lernunterlagen keine real vergebenen Produktivadressen verwendet werden.

Hexadezimale IPv6-Schreibweise lesen

IPv6 verwendet hexadezimale Ziffern:

0–9 und a–f

Eine Gruppe wie:

0db8

besteht aus vier hexadezimalen Stellen und repräsentiert 16 Bit.

Acht solcher Gruppen ergeben:

8 × 16 Bit = 128 Bit

IPv6-Adressen verkürzen

IPv6-Adressen wären in vollständiger Form sehr lang. Deshalb existieren definierte Schreibverkürzungen.

Zwei wichtige Regeln:

  1. Führende Nullen innerhalb einer Gruppe dürfen weggelassen werden.
  2. Eine zusammenhängende Folge aus Nullgruppen kann durch :: verkürzt werden.

Beispiel:

Form Adresse
ausführlicher 2001:0db8:0027:0010:0000:0000:0000:0025
ohne führende Nullen 2001:db8:27:10:0:0:0:25
komprimiert 2001:db8:27:10::25
Die ::-Komprimierung darf innerhalb einer IPv6-Adresse nur einmal verwendet werden.

Was bedeutet eine Präfixlänge?

Eine Adresse kann gemeinsam mit einer Präfixlänge notiert werden.

Beispiele:

  • 192.0.2.25/24
  • 2001:db8:27:10::25/64

Die Zahl hinter dem Schrägstrich beschreibt, wie viele Bits zum Präfix gehören.

IPv4 /24

Die ersten 24 Bit gehören zum Präfix.

Die IPv4-Adresse selbst bleibt insgesamt 32 Bit lang.

IPv6 /64

Die ersten 64 Bit gehören zum Präfix.

Die IPv6-Adresse selbst bleibt insgesamt 128 Bit lang.

In LF3.7 wird diese Information gelesen und eingeordnet.

Wie daraus IPv4-Netzadressen, Hostbereiche und Broadcastadressen berechnet werden, folgt systematisch erst in LF3.8.

Präfix ist nicht Anzahl der Clients

Ein häufiger Denkfehler lautet:

„/24 bedeutet 24 mögliche Geräte.“

Das ist falsch.

Die Präfixlänge ist eine Anzahl von Bits, nicht die Anzahl vorhandener oder zulässiger Clients.

Entsprechend bedeutet auch /64 bei IPv6 nicht, dass genau 64 Clients vorhanden sind.

IPv4-Loopback

Der IPv4-Bereich 127.0.0.0/8 ist für Loopback vorgesehen.

Loopback dient der Kommunikation des Systems mit sich selbst.

Ein sehr bekanntes Beispiel ist:

127.0.0.1

Eine Loopbackadresse beschreibt damit keine gewöhnliche Adresse eines anderen Clients im LAN.

IPv4 Link-Local

Der Bereich 169.254.0.0/16 ist als IPv4 Link-Local-Adressraum vorgesehen.

Für LF3.7 genügt die Einordnung:

  • Die Adresse hat einen besonderen lokalen Zweck.
  • Sie ist nicht mit einer normalen, frei geplanten Produktivadresse gleichzusetzen.
  • Ihre Beobachtung in einer Client-Konfiguration ist ein fachlich relevanter Hinweis.

Die automatische Vergabe und die dazugehörigen Protokollabläufe werden hier nicht administrativ vertieft.

IPv6 Link-Local

IPv6 besitzt ebenfalls Link-Local-Adressen.

Der zugehörige Präfixbereich lautet:

FE80::/10

Eine Link-Local-Adresse besitzt Bedeutung auf dem jeweiligen Link.

Sie darf nicht allein deshalb mit einer global erreichbaren IPv6-Adresse gleichgesetzt werden.

IPv6-Loopback

Die IPv6-Loopbackadresse lautet:

::1/128

Sie erfüllt konzeptionell eine vergleichbare lokale Selbstadressierungsfunktion wie Loopback bei IPv4.

IPv6 kennt keinen Broadcast-Adressierungstyp

Aus LF3.6 kennen Sie die Ethernet-Broadcastadresse:

FF:FF:FF:FF:FF:FF

Diese MAC-Adresse darf nicht auf IPv6 übertragen werden.

IPv6 definiert keinen Broadcast-Adressierungstyp. Für Gruppenkommunikation werden unter anderem Multicastmechanismen verwendet.

Ethernet-Broadcast ≠ IPv6-Adresse.

Unicast, Anycast und Multicast bei IPv6

Die IPv6-Adressarchitektur unterscheidet grundsätzlich:

Unicast

Adresse einer einzelnen Schnittstelle.

Anycast

Eine Adresse kann mehreren Schnittstellen zugeordnet sein; ein Paket wird zu einer geeigneten beziehungsweise topologisch nahen Instanz geleitet.

Multicast

Adressiert eine Gruppe von Schnittstellen.

Die Routingmechanismen hinter Anycast werden in LF3.7 nicht vertieft.

Dokumentationsadressen statt Produktivadressen

Für SemaTrain werden bewusst reservierte Dokumentationsbereiche eingesetzt.

Protokoll Dokumentationsbereich Beispiel
IPv4 192.0.2.0/24 192.0.2.25/24
IPv6 2001:db8::/32 2001:db8:27:10::25/64

Damit bleiben Lernbeispiele von realen Kunden- und Produktivadressen getrennt.

K-27: vorhandene IPv4-Information lesen

Für Client A ist dokumentiert:

192.0.2.25/24

Ohne bereits ein Subnetz zu berechnen, können Sie sicher feststellen:

  • Es handelt sich um IPv4.
  • Die Adresse selbst besitzt 32 Bit.
  • Sie wird in vier dezimalen Oktetten dargestellt.
  • Die Präfixlänge beträgt 24 Bit.
  • Der verwendete Adressbereich ist für Dokumentation geeignet.

Netzadresse, Hostbereich und Broadcastadresse werden hier noch nicht systematisch berechnet.

K-27: vorhandene IPv6-Information lesen

Für denselben Lernfall ist zusätzlich dokumentiert:

2001:db8:27:10::25/64

Sie können daraus feststellen:

  • Es handelt sich um IPv6.
  • Die vollständige Adresse besitzt 128 Bit.
  • Die Schreibweise verwendet Hexadezimalzahlen.
  • :: komprimiert eine Folge von Nullgruppen.
  • Die Präfixlänge beträgt 64 Bit.
  • 2001:db8::/32 ist für Dokumentation reserviert.

Diese Analyse benötigt noch keine Subnetzplanung.

Clientdaten systematisch lesen

Für LF3.7 eignet sich folgende Analysefolge:

  1. Handelt es sich um IPv4 oder IPv6?
  2. Ist die Schreibweise formal plausibel?
  3. Welche Präfixlänge ist angegeben?
  4. Handelt es sich erkennbar um einen besonderen Adressbereich?
  5. Ist die Adresse Loopback, Link-Local, Dokumentationsadresse oder eine andere Adressform?
  6. Welche Aussagen lassen sich sicher treffen?
  7. Welche Aussagen benötigen weitere Netzparameter oder spätere Berechnungen?

Tatsache und Interpretation

Tatsache

Der Client zeigt 192.0.2.25/24 als IPv4-Dokumentationsbeispiel.

Noch nicht belegt

„Das ist deshalb automatisch die richtige Produktivkonfiguration.“

Diese Aussage folgt aus einer Adresse allein nicht.

Für eine vollständige Client-Konfiguration werden später weitere Netzparameter benötigt.

Typische Denkfehler

/24 = 24 Geräte

Falsch. 24 beschreibt die Präfixlänge in Bit.

MAC = IP

Falsch. Beide Adressarten gehören zu unterschiedlichen Kommunikationsebenen.

IPv6 = immer /64

Zu pauschal. In vielen Clientnetzen ist /64 sehr wichtig, aber die IPv6-Präfixlänge ist grundsätzlich eine eigene Information und muss gelesen werden.

IPv6 besitzt Broadcast

Falsch. IPv6 definiert keinen Broadcast-Adressierungstyp.

Jede 192er-Adresse ist privat

Falsch. Die Bedeutung hängt vom konkreten Adressbereich ab. 192.0.2.0/24 ist beispielsweise für Dokumentation reserviert.

Bewusste curriculare Grenze

LF3.7 behandelt noch nicht:

  • systematische IPv4-Subnetzberechnung,
  • Netz- und Broadcastberechnung als Rechenverfahren,
  • VLSM,
  • Routingplanung,
  • Router-CLI,
  • DHCP-Konfiguration,
  • DNS-Konfiguration,
  • SLAAC- oder DHCPv6-Administration.
LF3.7 = Adressen lesen und einordnen.
LF3.8 = IPv4-Netze und Subnetze planen.

PRAXISAUFGABE

Praktische Lernaufgabe

Analysieren Sie folgende fiktive Clientinformationen:

Eintrag Wert
A 192.0.2.25/24
B 127.0.0.1
C 169.254.20.15/16
D 2001:db8:27:10::25/64
E fe80::27:10:25/64
F ::1/128

Bestimmen Sie für jeden Eintrag:

  1. IPv4 oder IPv6?
  2. Adresslänge?
  3. Präfixlänge, falls angegeben?
  4. besondere Adressbedeutung erkennbar?
  5. welche Aussage ist sicher möglich?
  6. welche Aussage wäre noch Spekulation?

Berechnen Sie noch keine neuen Subnetze.

Selbsttest

Selbsttest LF3.7 – IPv4 und IPv6

Prüfen Sie, ob Sie IPv4- und IPv6-Adressen, Präfixe und zentrale Adresstypen fachlich lesen und einordnen können.

Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.

1 Welche Aussage beschreibt den grundlegenden Unterschied der Adresslänge korrekt?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

2 Welche Aussagen zu den Schreibweisen von IPv4 und IPv6 sind richtig?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

3 Was bedeutet die Angabe /24 bei der Beispieladresse 192.0.2.25/24?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

4 Welche Aussagen zu besonderen beziehungsweise lokal relevanten Adressen sind richtig?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

5 Warum wird 192.0.2.25 in dieser SemaTrain-Lektion als IPv4-Beispiel verwendet?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

6 Welche Aussage zu IPv6 ist korrekt?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

7 Welche Aussagen gehören zum Scope von LF3.7?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

8 Ein Client zeigt 2001:db8:27:10::25/64. Welche Aussage ist für LF3.7 richtig?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

Praxisauftrag

Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.

Erstellen Sie eine Analysekarte für mindestens:

  • eine IPv4-Dokumentationsadresse,
  • eine IPv4-Loopbackadresse,
  • eine IPv4-Link-Local-Adresse,
  • eine IPv6-Dokumentationsadresse,
  • eine IPv6-Link-Local-Adresse,
  • die IPv6-Loopbackadresse.

Dokumentieren Sie jeweils:

  • Protokollversion,
  • Adressschreibweise,
  • Adresslänge,
  • Präfixlänge soweit vorhanden,
  • Adressbedeutung,
  • zulässige fachliche Aussage,
  • eine mögliche Fehlinterpretation.

Verwenden Sie für normale Lernbeispiele ausschließlich reservierte Dokumentationsbereiche.

SELBSTKONTROLLE

Selbstkontrolle

  • Kann ich IPv4 und IPv6 strukturell unterscheiden?
  • Kenne ich 32 Bit und 128 Bit?
  • Kann ich eine IPv6-Adresse mit :: lesen?
  • Kann ich erklären, was /24 beziehungsweise /64 bedeutet?
  • Kann ich 127.0.0.0/8 als IPv4-Loopback einordnen?
  • Kann ich 169.254.0.0/16 als IPv4 Link-Local einordnen?
  • Kann ich FE80::/10 als IPv6 Link-Local einordnen?
  • Kenne ich ::1/128 als IPv6-Loopback?
  • Kann ich erklären, warum IPv6 keinen Broadcast-Adressierungstyp besitzt?
  • Kann ich IP- und MAC-Adresse weiterhin trennen?
  • Habe ich die systematische Subnetzberechnung für LF3.8 offengelassen?

REFLEXION

Reflexion

Können Sie jetzt erklären:

  • warum IPv4 und IPv6 unterschiedliche Adresslängen besitzen,
  • wie Präfixlängen gelesen werden,
  • warum eine Präfixlänge keine Clientanzahl ist,
  • welchen Zweck Dokumentationsadressräume besitzen,
  • warum besondere Adressbereiche vor einer Interpretation erkannt werden müssen,
  • welche fachliche Grundlage LF3.7 an LF3.8 übergibt?

Quellen & Einordnung

Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Lernfeld 3.

KMK-Rahmenlehrplan öffnen

Technische Primärquellen:

  • RFC 791 – Internet Protocol / IPv4
  • RFC 8200 – Internet Protocol Version 6
  • RFC 4291 – IPv6 Addressing Architecture
  • IANA IPv4 und IPv6 Special-Purpose Address Registries

Dokumentationsadressräume:

  • RFC 5737 – IPv4 Address Blocks Reserved for Documentation
  • RFC 3849 – IPv6 Address Prefix Reserved for Documentation

RFC 791 beim RFC Editor

RFC 8200 beim RFC Editor

RFC 4291 beim RFC Editor

RFC 5737 beim RFC Editor

RFC 3849 beim RFC Editor

IANA IPv4 Special-Purpose Address Registry

IANA IPv6 Special-Purpose Address Registry

Versionsbezug:
Die Lernetappe verwendet die grundlegenden Adresskonzepte der genannten IETF-/IANA-Primärquellen. Versions- und Aktualisierungsstände werden über die aktuellen RFC-Editor- und IANA-Einträge eingeordnet.

Clean Room:
Alle Erklärungen, K-27-Fälle, Tabellen, Aufgaben, MC-Fragen, Antwortoptionen und Lösungen wurden eigenständig für SemaTrain formuliert. Es werden keine RFC-Texte kopiert.

Für LF3.7 ist keine zusätzliche Rechtsquelle erforderlich.

Curriculare Abgrenzung:
Die systematische IPv4-Netz- und Subnetzplanung folgt in LF3.8. Gateway, DNS, DHCP und vollständige Client-Netzparameter folgen in LF3.9.

Nächster Lernschritt

IPv4- und IPv6-Adressen, Präfixe und zentrale Adresstypen können nun fachlich gelesen und eingeordnet werden.

Als Nächstes wird diese Grundlage für die systematische Planung von IPv4-Netzen und Subnetzen genutzt.

LF3.8 öffnen – IPv4-Netze und Subnetze planen