LF3 · Analysieren
LF3.6 – Kommunikation im LAN mit Ethernet und MAC einordnen
Verstehen, wie Ethernet-Frames lokal adressiert werden, wie Switches MAC-Adressen lernen und wie bekannte sowie unbekannte Ziele weitergeleitet werden.
Lernfeld 3 · Clients in Netzwerke einbinden
Curriculum-Faden
Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf
Handlungsphase: Analysieren
Grundlegende LAN-Kommunikation mit Ethernet, MAC-Adressen und Switching so einordnen, dass Client-Kommunikation im lokalen Netz nachvollziehbar wird.
LF3.5 hat physische und logische Beziehungen im Netzwerk sichtbar gemacht.
LF3.7 erweitert die lokale Perspektive um IP-Adressierung mit IPv4 und IPv6.
Bewusste Abgrenzung dieser Lektion
Funktionsverständnis für die Client-Integration; keine administrative Switch-Konfiguration.
Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 3
Berufliche Ausgangssituation
Im fiktiven K-27 Medienbüro wurden in LF3.5 die vorhandenen physischen und logischen Netzwerkpläne ausgewertet.
Für zwei Arbeitsplätze ist bekannt:
- Client A ist an SW-01 / Port 3 angeschlossen,
- Client B ist an SW-01 / Port 5 angeschlossen.
Damit wissen Sie, wo die Clients angeschlossen sind.
Jetzt folgt die nächste Frage:
Dafür müssen Ethernet-Frames, MAC-Adressen und das grundlegende Lernverhalten eines Switches zusammengedacht werden.
Von der Struktur zur Kommunikation
LF3.5 hat die Struktur sichtbar gemacht:
- welche Systeme vorhanden sind,
- wie sie verbunden sind,
- welche logischen Beziehungen bestehen.
LF3.6 betrachtet nun, wie Daten innerhalb dieses lokalen Ethernet-Netzes weitergegeben werden.
LF3.6: Wie wird innerhalb des lokalen Ethernet-Netzes kommuniziert?
Ethernet im lokalen Netz
Ethernet bezeichnet eine Familie von Technologien für lokale Netzwerke.
Für das Verständnis der Client-Integration betrachten wir hier einen typischen Aufbau:
- Clients sind mit einem Ethernet-Switch verbunden,
- Daten werden in Ethernet-Frames übertragen,
- MAC-Adressen kennzeichnen Quelle und Ziel auf Ethernet-Ebene,
- der Switch trifft lokale Weiterleitungsentscheidungen.
Elektrische Signalcodierung, Herstellerkonfiguration und administrative Switch-Kommandos sind nicht Gegenstand von LF3.6.
48-Bit-MAC-Adressen
Im hier betrachteten Ethernet-Kontext verwenden wir 48-Bit-MAC-Adressen.
48 Bit entsprechen:
- 6 Oktetten,
- je 8 Bit pro Oktett,
- zwölf hexadezimalen Zeichen.
Ein fiktives SemaTrain-Beispiel lautet:
Die verwendeten 02:-Beispieladressen sind für die SemaTrain-Lernfälle als lokal administrierte, fiktive MAC-Adressen gewählt.
Sie stellen keine realen Hersteller- oder Gerätedaten dar.
MAC-Adresse ist nicht gleich Identität
MAC-Adresse
Adressinformation für die lokale Ethernet-Kommunikation.
Switchport
Anschluss, über den ein Frame den Switch erreicht oder verlässt.
Standort
Räumlicher Ort eines Geräts. Er folgt nicht automatisch aus der MAC-Adresse.
Benutzer
Eine MAC-Adresse beweist nicht, welche Person ein Gerät benutzt.
IP-Adresse
Adressinformation einer anderen Kommunikationsebene. Sie folgt in LF3.7.
Der Ethernet-Frame
Daten werden über Ethernet in Frames transportiert.
Für das Funktionsverständnis in LF3.6 genügt folgende vereinfachte Struktur:
| Bereich | Funktion |
|---|---|
| Destination-MAC | Kennzeichnet Ziel beziehungsweise adressierte Empfängergruppe auf Ethernet-Ebene. |
| Source-MAC | Kennzeichnet die Quelle des Frames auf Ethernet-Ebene. |
| EtherType / Längenfeld | Abhängig vom Frameformat dient dieses Feld der Einordnung des transportierten Inhalts beziehungsweise der Längeninformation. |
| Nutzdaten | Transportieren Daten höherer Kommunikationsebenen. |
| FCS | Die Frame Check Sequence unterstützt die Erkennung von Übertragungsfehlern. |
Die FCS erkennt Fehler, sie repariert beschädigte Nutzdaten jedoch nicht automatisch.
Source-MAC und Destination-MAC
Source-MAC
Sie beschreibt, von welcher Ethernet-Adresse der Frame stammt.
Ein Switch kann daraus lernen:
Diese Source-MAC ist über diesen Eingangsport erreichbar.
Destination-MAC
Sie kennzeichnet das adressierte Ziel beziehungsweise eine Empfängergruppe.
Der Switch nutzt sie für die Weiterleitungsentscheidung.
Unicast
Unicast richtet sich an einen bestimmten adressierten Empfänger.
Beispiel:
- Client A: 02:27:10:00:00:03
- Client B: 02:27:10:00:00:05
Sendet A einen Ethernet-Frame an B, ist:
- Source-MAC = 02:27:10:00:00:03
- Destination-MAC = 02:27:10:00:00:05
Broadcast
Broadcast richtet sich an alle Teilnehmer des betrachteten lokalen Ethernet-Bereichs.
Die Ethernet-Broadcastadresse lautet:
Der Switch verteilt einen solchen Frame deshalb über die weiteren geeigneten Ports des lokalen Bereichs.
Multicast
Multicast richtet sich an eine adressierte Empfängergruppe.
Broadcast = alle im betrachteten lokalen Bereich
Multicast = adressierte Empfängergruppe
Spezielle Multicast-Steuerungsverfahren werden in LF3.6 nicht vertieft.
Wie lernt ein Switch?
Ein Switch kann eine dynamische MAC-Tabelle aus eintreffendem Verkehr aufbauen.
- Ein Ethernet-Frame trifft an einem Port ein.
- Der Switch betrachtet die Source-MAC.
- Er ordnet diese Source-MAC dem Eingangsport zu beziehungsweise aktualisiert die Zuordnung.
- Anschließend betrachtet er die Destination-MAC.
- Auf dieser Grundlage wird die lokale Weiterleitungsentscheidung getroffen.
Beispiel: Client A wird gelernt
Client A besitzt:
02:27:10:00:00:03
Der Frame trifft an SW-01 / Port 3 ein.
SW-01 kann daraus folgende Zuordnung lernen:
| MAC-Adresse | Port |
|---|---|
| 02:27:10:00:00:03 | Port 3 |
Diese Information entsteht aus dem beobachteten Ethernet-Verkehr und nicht allein aus einem Gebäudeplan.
Bekannter Unicast
Angenommen, die MAC-Tabelle enthält:
| MAC-Adresse | Port |
|---|---|
| 02:27:10:00:00:03 | Port 3 |
| 02:27:10:00:00:05 | Port 5 |
Client A sendet an 02:27:10:00:00:05.
SW-01 kann die Destination-MAC in seiner Tabelle finden und den Frame gezielt über Port 5 weiterleiten.
Unknown Unicast
Nun sendet Client A an die fiktive MAC-Adresse:
02:27:10:00:00:09
Angenommen, SW-01 kennt für diese Destination-MAC noch keinen Port.
Die Zieladresse ist trotzdem eine Unicast-Adresse.
Der Switch kann den Frame zunächst über die weiteren geeigneten Ports des lokalen Ethernet-Segments weitergeben.
Dieses Verhalten wird als Unknown-Unicast-Flooding bezeichnet.
Unknown Unicast ist kein Broadcast
Die Begriffe dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Unknown Unicast
Es existiert eine konkrete Unicast-Ziel-MAC.
Dem Switch fehlt lediglich aktuell die Portzuordnung für dieses Ziel.
Broadcast
Die Zieladresse selbst lautet:
FF:FF:FF:FF:FF:FF
Der Frame richtet sich bewusst an alle Teilnehmer des lokalen Bereichs.
Broadcast = Adressierungsform.
Die MAC-Tabelle ist dynamisch
Eine MAC-Tabelle ist kein unveränderlicher Netzwerkplan.
Gelernte Zuordnungen können sich ändern, beispielsweise wenn:
- ein Client umgesteckt wird,
- ein anderer Anschluss genutzt wird,
- Einträge nach einer Zeit verworfen werden,
- neuer Verkehr die Zuordnung aktualisiert.
Die Tabelle beschreibt deshalb eine dynamisch gelernte technische Erreichbarkeit.
Sie ist kein dauerhafter Beweis für:
- Benutzeridentität,
- Standort,
- Arbeitsplatz,
- IP-Adresse.
Tatsache und Interpretation trennen
Technische Tatsache
Die MAC-Adresse 02:27:10:00:00:03 wurde in der betrachteten Situation an Port 3 gelernt.
Nicht belegte Interpretation
„Damit sitzt eine bestimmte Person dauerhaft an einem bestimmten Arbeitsplatz.“
Diese Aussage folgt aus der MAC-Tabelle allein nicht.
Typische Denkfehler
MAC = IP
Falsch. Beide Adressen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Unknown Unicast = Broadcast
Falsch. Die Unicast-Zieladresse bleibt eine konkrete Zieladresse.
Switch lernt aus der Destination-MAC
Für das hier vermittelte Grundprinzip falsch. Gelernt wird Source-MAC plus Eingangsport.
MAC = Benutzer
Falsch. Eine MAC-Adresse beweist keine persönliche Identität.
Bewusste curriculare Grenze
LF3.6 behandelt bewusst noch nicht:
- ARP in der Tiefe,
- VLAN-Konfiguration,
- STP-Administration,
- Switch-CLI,
- IPv4- oder IPv6-Konfiguration,
- Subnetting,
- DHCP-Konfiguration,
- DNS-Konfiguration.
PRAXISAUFGABE
Praktische Lernaufgabe
Analysieren Sie diesen fiktiven Zustand:
| Gerät | MAC-Adresse | Anschluss |
|---|---|---|
| Client A | 02:27:10:00:00:03 | SW-01 / Port 3 |
| Client B | 02:27:10:00:00:05 | SW-01 / Port 5 |
| Client C | 02:27:10:00:00:09 | noch nicht in der MAC-Tabelle bekannt |
SW-01 kennt zunächst nur:
02:27:10:00:00:05 → Port 5
- Client A sendet an Client B. Bestimmen Sie Source-MAC und Destination-MAC.
- Welche Zuordnung kann SW-01 beim Eingang an Port 3 lernen?
- Über welchen Port kann der Frame an B weitergeleitet werden?
- Client A sendet danach an Client C. Warum entsteht zunächst Unknown Unicast?
- Warum ist das resultierende Flooding trotzdem kein Broadcast?
- Welche Destination-MAC würde einen echten Broadcast darstellen?
- Welche Benutzer- oder Standortaussagen dürfen aus der MAC-Tabelle nicht abgeleitet werden?
Selbsttest LF3.6 – Ethernet und MAC
Prüfen Sie Ihr Verständnis von Ethernet, MAC-Adressen und grundlegendem Switch-Verhalten.
Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.
Praxisauftrag
Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.
Erstellen Sie eine Ethernet-Analysetabelle mit:
- Schritt,
- Eingangsport,
- Source-MAC,
- gelernter Zuordnung,
- Destination-MAC,
- Unicast / Broadcast / Multicast,
- Ziel bekannt / unbekannt,
- erwarteter Weiterleitungsreaktion,
- belegter Tatsache,
- offener Frage.
Verwenden Sie ausschließlich fiktive, lokal administrierte Beispieladressen wie:
02:27:10:00:00:01 bis 02:27:10:00:00:0F
Führen Sie keine reale Switch-Konfiguration durch.
SELBSTKONTROLLE
Selbstkontrolle
- Kann ich Source-MAC und Destination-MAC unterscheiden?
- Kann ich erklären, warum ein Switch die Source-MAC am Eingangsport lernt?
- Kann ich bekannten und unbekannten Unicast unterscheiden?
- Kann ich Unknown-Unicast-Flooding von Broadcast trennen?
- Kenne ich FF:FF:FF:FF:FF:FF als Broadcastadresse?
- Kann ich Unicast, Broadcast und Multicast unterscheiden?
- Kann ich den Zweck einer dynamischen MAC-Tabelle erklären?
- Kann ich MAC-Adresse und IP-Adresse trennen?
- Kann ich erklären, warum eine MAC-Adresse keine Benutzeridentität beweist?
- Habe ich IPv4/IPv6 für LF3.7 offengelassen?
REFLEXION
Reflexion
Können Sie jetzt erklären:
- welche Rolle Source-MAC und Destination-MAC besitzen,
- wie ein Switch eine MAC-Adresse einem Port zuordnet,
- wie eine bekannte Destination-MAC die Weiterleitung beeinflusst,
- warum Unknown Unicast und Broadcast verschieden sind,
- warum eine dynamische MAC-Tabelle keine dauerhafte Benutzer- oder Standortzuordnung darstellt,
- welche Grundlage LF3.6 für LF3.7 schafft?
Quellen & Einordnung
Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und
Fachinformatiker,
Lernfeld 3.
Technische Primärquelle / Standardgeber:
IEEE 802.3 Ethernet Working Group.
IEEE 802.3 Ethernet Working Group öffnen
Versionsbezug:
LF3.6 behandelt grundlegende,
versionsstabile Funktionsprinzipien von Ethernet,
MAC-Adressierung und Switching.
Es werden weder Normtexte reproduziert noch
herstellerspezifische Konfigurationsbefehle vermittelt.
Methodische Einordnung:
Alle K-27-Fälle,
MAC-Adressen,
Tabellen,
Aufgaben,
MC-Fragen,
Antwortoptionen und Lösungen wurden eigenständig
für SemaTrain entwickelt.
Für diese Lernetappe ist keine zusätzliche Rechtsquelle erforderlich.
Curriculare Abgrenzung:
IPv4 und IPv6 folgen in LF3.7.
IPv4-Subnetzplanung folgt in LF3.8.
Administrative Switch-Konfiguration ist nicht Gegenstand
von LF3.6.