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SemaTrain Fachinformatiker LF1–LF3 verfügbar

LF2 · Entscheiden

LF2.8 – Bezugsquellen und Angebote vergleichen

Vergleichbarkeit herstellen, Angebotskosten berechnen und Bezugsquellen nachvollziehbar beurteilen.

Lernfeld 2 · Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten

Curriculum-Faden

Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf

Handlungsphase: Entscheiden

Lieferanten und Angebote anhand quantitativer und qualitativer Kriterien vergleichen.

Baut auf

Begründete Produktauswahl aus LF2.4 bis LF2.7.

Bereitet vor

LF2.9 erstellt daraus ein nachvollziehbares Kundenangebot.

Bewusste Abgrenzung dieser Lektion

Noch kein Vertragsabschluss.

Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 2

Berufliche Ausgangssituation

Für das fiktive K-27 Medienbüro sind die Anforderungen inzwischen geklärt. Produkte wurden technisch verglichen, ergonomische und nachhaltigkeitsbezogene Kriterien berücksichtigt und der Energiebedarf eingeordnet.

Nun beginnt die Beschaffungsperspektive.

Bei welcher geeigneten Bezugsquelle soll die benötigte Ausstattung beschafft werden – und wie lassen sich mehrere Angebote fair miteinander vergleichen?

Ein günstiger Preis allein genügt dafür nicht. Zunächst muss überhaupt klar sein, was genau angeboten wird.

Was verlangt das Lernfeld?

Lernfeld 2 sieht vor, Bezugsquellen zu ermitteln sowie Angebote einzuholen und zu vergleichen.

Damit verschiebt sich der Blick:

LF2.4–LF2.7: Welches Produkt beziehungsweise welche Lösung ist geeignet?

LF2.8: Wo kann die geeignete Lösung zu nachvollziehbaren Bedingungen beschafft werden?

Die Kalkulation eines Kundenangebots folgt erst in LF2.9. Kaufvertrag, Bestellung und weitere rechtliche Beschaffungsschritte folgen in LF2.10.

Produktentscheidung und Bezugsquelle trennen

Ein Produkt und seine Bezugsquelle sind zwei unterschiedliche Entscheidungsebenen.

Produktebene

Erfüllt die konkrete technische Lösung die Anforderungen?

Bezugsquellenebene

Bei welchem geeigneten Anbieter kann die benötigte Variante unter passenden Bedingungen beschafft werden?

Eine fachlich gute Produktentscheidung kann durch einen schlechten Angebotsvergleich wieder gefährdet werden, wenn beispielsweise die falsche Variante, eine andere Ausstattung oder eine unpassende Menge verglichen wird.

Welche Bezugsquellen kommen infrage?

Abhängig vom Produkt und vom Unternehmen können beispielsweise folgende Kategorien infrage kommen:

  • Fachhändler,
  • IT-Systemhäuser,
  • Distributoren,
  • Herstellervertrieb,
  • geeignete gewerbliche Onlineanbieter.

Die Kategorie allein entscheidet jedoch nicht über die Eignung.

Zu prüfen sind konkrete Informationen zur jeweiligen Bezugsquelle und zum konkreten Angebot.

Bezugsquelle systematisch prüfen

Mögliche Prüffragen sind:

Prüffrage Bedeutung
Ist der Anbieter eindeutig identifizierbar? Unternehmens- und Kontaktinformationen müssen nachvollziehbar sein.
Ist das benötigte Produkt eindeutig bezeichnet? Ein Preisvergleich ohne klare Produktidentität ist nicht belastbar.
Ist die benötigte Menge verfügbar? Ein Einzelstück hilft bei einem Bedarf von zwölf Arbeitsplätzen nicht zwangsläufig weiter.
Sind Lieferinformationen nachvollziehbar? Die zeitliche Verfügbarkeit kann für den Kundenauftrag entscheidend sein.
Sind Service- und Kontaktwege dokumentiert? Bei Rückfragen muss eine belastbare Kommunikation möglich sein.

Zuerst eine gemeinsame Vergleichsbasis schaffen

Drei Preise sind nicht automatisch drei vergleichbare Angebote.

Vor dem Vergleich wird deshalb festgelegt:

  • welches konkrete Produkt beziehungsweise welche Variante,
  • welche Ausstattung,
  • welche Menge,
  • welcher Leistungsumfang,
  • welche Preisbasis,
  • welche zusätzlichen Kosten berücksichtigt werden.
Merksatz: Erst Vergleichbarkeit herstellen, dann Preise vergleichen.

Das SemaTrain-Vergleichsschema

1. Bedarf Was wird konkret benötigt?
2. Bezugsquellen Welche geeigneten Anbieter kommen infrage?
3. Angebote normalisieren Sind Produkt, Menge und Umfang vergleichbar?
4. Unterschiede dokumentieren Preis, Verfügbarkeit, Lieferzeit und weitere Merkmale.
5. Entscheidung begründen Welche Bezugsquelle bildet die beste Grundlage für den nächsten Schritt?

Dieses Vergleichsschema wurde eigenständig für SemaTrain entwickelt.

Stückpreis ist nicht automatisch Gesamtkostenvergleich

Für die Übung vergleichen wir ausschließlich:

  • benötigte Menge × Stückpreis,
  • zuzüglich einmaliger Versandkosten.
Vergleichssumme = Menge × Stückpreis + berücksichtigte einmalige Kosten

Rabatte, Skonto, Umsatzsteuerfragen und die Kundenangebotskalkulation werden hier bewusst nicht vertieft.

Drei fiktive Lieferantenangebote

Für zwölf Geräte der fiktiven Variante Nord B24 liegen drei vollständig erfundene Angebote vor.

Alle Lieferantennamen, Preise, Lieferzeiten und sonstigen Angebotsdaten dieser Lektion sind fiktiv.

Nordstern Handel Hansebyte Distribution Elbwerk Business IT
Produkt Nord B24 Nord B24 Nord B24
Menge 12 12 12
Stückpreis netto 715 € 725 € 705 €
Versand 45 € einmalig 0 € 180 € einmalig
angegebene Lieferzeit 5–7 Arbeitstage 2–4 Arbeitstage 8–10 Arbeitstage
Produktvariante eindeutig? ja ja ja
Supportkontakt dokumentiert? ja ja ja

Vergleichssummen berechnen

Nordstern Handel

12 × 715 € + 45 €
= 8.625 €

Hansebyte Distribution

12 × 725 € + 0 €
= 8.700 €

Elbwerk Business IT

12 × 705 € + 180 €
= 8.640 €

Damit besitzt Elbwerk zwar den niedrigsten Stückpreis, aber nicht die niedrigste Vergleichssumme.

Preis ist nur ein Vergleichsmerkmal

Die Vergleichssumme ist wichtig, aber ein Angebotsvergleich kann zusätzlich qualitative Merkmale enthalten.

Beispielsweise:

  • Verfügbarkeit,
  • angegebene Lieferzeit,
  • Eindeutigkeit der angebotenen Produktvariante,
  • dokumentierter Servicekontakt,
  • Vollständigkeit der Angebotsinformationen.
Wichtig: Ein qualitativer Vorteil darf nicht erfunden werden. Er muss aus dokumentierten Informationen hervorgehen.

Lieferzeit richtig einordnen

Eine kürzere Lieferzeit kann für einen Kundenauftrag relevant sein.

Sie ist aber nur sinnvoll zu bewerten, wenn der tatsächliche Bedarf bekannt ist.

Beispiel: Wenn K-27 die Arbeitsplätze spätestens in sieben Arbeitstagen benötigt, wäre eine angegebene Lieferzeit von acht bis zehn Tagen ein relevanter Nachteil.

Die rechtliche Bedeutung von Lieferterminen, Bestellung und Vertrag ist nicht Gegenstand dieser Lernetappe.

Fehlende Angaben nicht erfinden

Ein Angebot nennt:

„Nord B-Serie – 699 €“

Für den Kunden wird aber ausdrücklich Nord B24 benötigt.

Dann ist die Produktidentität zunächst ungeklärt.

Falsch wäre:

„Das wird schon B24 sein.“

Richtig ist: Die konkrete Variante wird vor einer belastbaren Auswahl geklärt.

Angebotsinformationen mit Status versehen

Status Bedeutung
bestätigt Die benötigte Information ist eindeutig dokumentiert.
abweichend Das Angebot unterscheidet sich von der festgelegten Vergleichsbasis.
ungeklärt Eine notwendige Information fehlt oder ist mehrdeutig.

Dieses Statusmodell knüpft an die Arbeitsweise aus LF2.4 an: Informationslücken werden sichtbar gemacht statt durch Annahmen verdeckt.

Preisvergleich und Angebotsvergleich unterscheiden

Preisvergleich

Vergleicht nachvollziehbar festgelegte Kostenbestandteile.

Angebotsvergleich

Bezieht zusätzlich weitere für den Auftrag relevante Merkmale ein.

Merksatz: Der niedrigste Preis ist eine Information. Die Beschaffungsentscheidung braucht eine Begründung.

Eine Vergleichsmatrix erstellen

Kriterium Nordstern Handel Hansebyte Distribution Elbwerk Business IT
Vergleichssumme 8.625 € 8.700 € 8.640 €
Lieferzeit 5–7 Tage 2–4 Tage 8–10 Tage
Produkt eindeutig ja ja ja
Supportkontakt ja ja ja

Welche Bezugsquelle geeignet ist, hängt nun vom konkreten Kundenbedarf ab.

Ist der Termin besonders kritisch, kann ein etwas höherer Preis durch eine deutlich passendere Lieferzeit relevant werden.

Typischer Denkfehler

„705 Euro ist der niedrigste Stückpreis. Also ist dieses Angebot automatisch das günstigste.“

Nein.

Bei zwölf Geräten und den in der Übung berücksichtigten Versandkosten ergibt sich:

  • Nordstern Handel: 8.625 €,
  • Hansebyte Distribution: 8.700 €,
  • Elbwerk Business IT: 8.640 €.

Der niedrigste Stückpreis führt hier nicht zur niedrigsten Vergleichssumme.

Praxisfall: Angebote für K-27 bewerten

K-27 benötigt zwölf Geräte spätestens innerhalb von sieben Arbeitstagen.

Verwenden Sie die drei fiktiven Angebote dieser Lektion.

Ihre Aufgabe:

  1. Prüfen Sie, ob alle Angebote auf derselben Produkt- und Mengenbasis stehen.
  2. Kontrollieren Sie die Vergleichssummen.
  3. Markieren Sie Preis, Lieferzeit und Produktidentität als getrennte Kriterien.
  4. Prüfen Sie, welches Angebot die terminliche Anforderung erfüllt.
  5. Begründen Sie eine vorläufige Bezugsquellenentscheidung.
  6. Dokumentieren Sie ausdrücklich, welche Informationen noch nicht geprüft wurden.

TRANSFER

Transfer: Das günstigere Angebot ist unvollständig

Ein vierter fiktiver Anbieter nennt:

  • Stückpreis: 690 €,
  • Versand: 0 €,
  • Produktbezeichnung: „Nord B-Serie“,
  • Lieferzeit: keine Angabe.

Die rechnerische Summe wäre niedrig.

Trotzdem fehlen zwei entscheidende Informationen:

  • Ist tatsächlich Nord B24 gemeint?
  • Passt die Lieferzeit zum Kundenbedarf?

Ein niedriger Zahlenwert darf Informationslücken nicht verdecken.

Selbsttest

Selbsttest: Bezugsquellen und Angebote vergleichen

Prüfen Sie, ob Sie Bezugsquellen recherchieren, Angebote auf eine gemeinsame Vergleichsbasis bringen und quantitative sowie qualitative Unterschiede nachvollziehbar bewerten können.

Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.

1 Was muss vor einem belastbaren Preisvergleich mehrerer Lieferantenangebote zuerst geklärt werden?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

2 Welche Informationen können für die Beurteilung einer Bezugsquelle relevant sein?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

3 Ein Lieferant bietet 12 Geräte zu je 715 Euro netto an. Hinzu kommen einmalig 45 Euro Versand. Wie hoch ist die Vergleichssumme der Übung?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

4 Welche Unterschiede sollten bei einem Angebotsvergleich sichtbar dokumentiert werden?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

5 Lieferant C besitzt den niedrigsten Stückpreis, aber hohe einmalige Versandkosten. Welche Aussage ist richtig?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

6 Welche Schritte gehören zu einem systematischen Angebotsvergleich?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

7 Was sollte passieren, wenn ein günstiges Angebot die genaue Produktvariante nicht eindeutig nennt?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

8 Was ist das zentrale Ergebnis von LF2.8 für LF2.9?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

PRAXISAUFGABE

Praktische Lernaufgabe

Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.
Ihre Bearbeitung wird von SemaTrain derzeit weder hochgeladen noch an einen Trainer übermittelt.

Erstellen Sie drei vollständig fiktive Lieferantenangebote für ein identisches IT-Produkt.

Jedes Angebot soll enthalten:

  • Lieferantenname,
  • eindeutige Produktvariante,
  • Menge,
  • Stückpreis,
  • einmalige Versandkosten,
  • angegebene Lieferzeit,
  • mindestens ein qualitatives Merkmal.

Anschließend:

  1. berechnen Sie die Vergleichssumme,
  2. prüfen Sie die Vergleichbarkeit,
  3. markieren Sie fehlende Angaben,
  4. stellen Sie die Ergebnisse in einer Matrix dar,
  5. begründen Sie eine vorläufige Auswahl.

Erstellen Sie noch kein Kundenangebot und bearbeiten Sie noch keinen Kaufvertrag.

SELBSTKONTROLLE

Selbstkontrolle

  • Trenne ich Produktentscheidung und Bezugsquellenentscheidung?
  • Prüfe ich vor dem Preisvergleich die Produktidentität?
  • Vergleiche ich dieselbe Menge und denselben Leistungsumfang?
  • Berücksichtige ich die festgelegten zusätzlichen Kosten für alle Angebote gleich?
  • Verwechsle ich Stückpreis nicht mit Vergleichssumme?
  • Dokumentiere ich Lieferzeit und Verfügbarkeit separat?
  • Kennzeichne ich fehlende Informationen als ungeklärt?
  • Kann ich Preisvergleich und Angebotsvergleich unterscheiden?
  • Habe ich Kundenangebotskalkulation und Kaufvertrag für die folgenden Lernetappen offengelassen?

REFLEXION

Reflexion

Können Sie jetzt erklären:

  • warum mehrere Preise erst auf eine gemeinsame Vergleichsbasis gebracht werden müssen,
  • warum der niedrigste Stückpreis nicht automatisch die geringste Vergleichssumme ergibt,
  • warum Lieferzeit und Produktidentität neben dem Preis relevant sein können,
  • warum fehlende Angebotsinformationen nicht geschätzt werden sollten,
  • welche Daten LF2.8 für die Kundenangebotskalkulation in LF2.9 bereitstellt?

Quellen & Einordnung

Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Lernfeld 2.

KMK-Rahmenlehrplan öffnen

Methodische Einordnung:
Die verwendeten Lieferanten, Produkte, Preise, Lieferzeiten, Tabellen, Vergleichssummen, Praxisfälle, Aufgaben, MC-Fragen, Antwortoptionen und Lösungen wurden vollständig eigenständig für SemaTrain entwickelt.

Rechtliche Abgrenzung:
Die rechtliche Bindungswirkung von Angeboten, der Vertragsschluss, Bestellung und weitere kaufrechtliche Fragen werden in dieser Lernetappe nicht vermittelt. Sie werden erst im dafür vorgesehenen Beschaffungsschritt behandelt.

Für die hier trainierte reine Recherche- und Vergleichsmethodik ist keine zusätzliche Rechtsquelle erforderlich.

Quellen- und Methodikprinzip von SemaTrain ansehen

Nächster Lernschritt

Sie können nun geeignete Bezugsquellen und Lieferantenangebote auf einer gemeinsamen Grundlage vergleichen.

Im nächsten Schritt werden die beschaffungsbezogenen Kosteninformationen in ein Kundenangebot überführt.

LF2.9 – Kundenangebot kalkulieren öffnen