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SemaTrain Fachinformatiker LF1–LF3 verfügbar

LF2 · Analysieren

LF2.2 – Hardware- und Softwareanforderungen ableiten

Vom geklärten Kundenbedarf zur strukturierten Anforderungsliste.

Lernfeld 2 · Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten

Curriculum-Faden

Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf

Handlungsphase: Analysieren

Aus Nutzungssituation und Kundenbedarf überprüfbare technische und organisatorische Anforderungen an einen Arbeitsplatz ableiten.

Baut auf

Geklärter Kundenbedarf aus LF2.1.

Bereitet vor

LF2.3 berücksichtigt zusätzliche technische Vorgaben, Kennzeichnungen und Sicherheitsanforderungen.

Bewusste Abgrenzung dieser Lektion

Noch keine konkrete Produktauswahl.

Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 2

Berufliche Ausgangssituation

In LF2.1 haben Sie den Bedarf des fiktiven K-27 Medienbüros geklärt.

Für zwölf Arbeitsplätze ist inzwischen bekannt:

  • alle Beschäftigten nutzen Bürosoftware, Browser und Videokonferenzen,
  • zwei Arbeitsplätze werden zusätzlich regelmäßig für größere Bilddateien benötigt,
  • vorhandene Monitore sollen soweit möglich weiterverwendet werden,
  • eine betriebliche Fachanwendung muss weiterhin funktionieren,
  • die Arbeitsplätze sollen mehrere Jahre sinnvoll nutzbar sein.

Jetzt muss aus diesen Informationen eine technische Anforderungsliste entstehen.

Was verlangt das Lernfeld?

Lernfeld 2 verlangt, aus dem Kundenwunsch Anforderungen an Software und Hardware zu ermitteln und diese zu dokumentieren.

Diese Anforderungen bilden anschließend die Grundlage für Auswahlkriterien und Produktvergleiche.

Kernidee: Nicht fragen: „Welchen Rechner möchten wir kaufen?“

Sondern zuerst: „Welche Bedingungen muss eine geeignete Lösung erfüllen?“

Vom Bedarf zur späteren Auswahl

1. Bedarf Welche berufliche Aufgabe soll unterstützt werden?
2. Anforderung Was muss die Lösung dafür ermöglichen?
3. Prüfkriterium Woran erkennen wir, ob die Anforderung erfüllt ist?
4. Auswahlkriterium Welche Produkteigenschaft wird später verglichen?

Das dargestellte Schema ist ein eigenständig entwickeltes SemaTrain-Modell. Die konkrete Produktauswahl erfolgt erst in späteren LF2-Modulen.

Was macht eine brauchbare Anforderung aus?

Eine Anforderung sollte möglichst vier Eigenschaften besitzen:

Begründet

Es ist erkennbar, welcher Kundenbedarf hinter der Anforderung steht.

Konkret

Begriffe wie „gut“, „modern“ oder „schnell“ werden soweit erforderlich präzisiert.

Überprüfbar

Später muss festgestellt werden können, ob die ausgewählte Lösung die Anforderung erfüllt.

Nicht unnötig festgelegt

Ein bestimmtes Produkt wird erst dann vorgeschrieben, wenn dafür tatsächlich ein sachlicher Grund besteht.

Faustregel: So offen wie für einen fairen Lösungsvergleich möglich, so konkret wie für eine belastbare Entscheidung nötig.

Anforderungen an Software

Softwareanforderungen entstehen beispielsweise aus den Anwendungen und Arbeitsabläufen des Kunden.

Zu klären sind unter anderem:

  • Welche Anwendungen müssen genutzt werden?
  • Welche Betriebssysteme oder Plattformen werden vorausgesetzt?
  • Welche Anwendungen müssen gleichzeitig nutzbar sein?
  • Gibt es vorhandene Fachsoftware, die zwingend weiterbetrieben werden muss?
  • Welche technischen Mindestvoraussetzungen nennt eine benötigte Anwendung?
  • Müssen vorhandene Dateiformate oder Arbeitsabläufe unterstützt werden?
Beispiel: Wenn die benötigte Fachanwendung nur auf bestimmten unterstützten Betriebssystemversionen eingesetzt werden kann, wird diese Kompatibilität zu einer konkreten Anforderung an den Arbeitsplatz.

Anforderungen an Leistung und Kapazität

Aus der Nutzung können Anforderungen an die Leistungsfähigkeit entstehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • gleichzeitige Nutzung mehrerer Anwendungen,
  • Verarbeitung typischer Datei- oder Datenmengen,
  • benötigte lokale Speicherkapazität,
  • grafisch anspruchsvollere Tätigkeiten,
  • Anforderungen der eingesetzten Software.

Dabei sollte nicht vorschnell aus „mehr Leistung“ automatisch eine bestimmte Hardwarekonfiguration gemacht werden.

Beispiel: Bedarf:
Zwei Beschäftigte bearbeiten regelmäßig große Bilddateien.

Anforderung:
Die dafür benötigte Bildbearbeitungssoftware und typische Arbeitsdateien müssen im vorgesehenen Arbeitsablauf zuverlässig nutzbar sein.

Spätere technische Konkretisierung:
Die Mindest- und empfohlenen Voraussetzungen der tatsächlich eingesetzten Software werden geprüft und in Auswahlkriterien überführt.

Schnittstellen und vorhandene Umgebung

Ein Arbeitsplatz muss häufig in eine bereits vorhandene technische Umgebung passen.

Daraus können Anforderungen entstehen an:

  • Monitoranschlüsse,
  • USB- oder andere Peripherieschnittstellen,
  • vorhandene Eingabegeräte,
  • Docking- oder Anschlussmöglichkeiten,
  • bestehende Drucker oder weitere Peripherie,
  • vorhandene Software- und Systemumgebung.
Beispiel: Sollen zwei vorhandene Monitore weiterverwendet werden, muss die spätere Arbeitsplatzlösung deren gleichzeitigen Betrieb technisch unterstützen.

Nutzerbezogene und barrierefreie Anforderungen

Nicht alle Anforderungen ergeben sich aus Anwendungen oder Rechenleistung.

Auch die tatsächlichen Nutzerinnen und Nutzer können Anforderungen an den Arbeitsplatz stellen.

Beispiele können sein:

  • Unterstützung eines bereits eingesetzten alternativen Eingabegeräts,
  • geeignete Skalierungs- oder Darstellungsoptionen,
  • bestimmte Bildschirm- oder Bedienanforderungen,
  • Kompatibilität mit unterstützenden technischen Hilfsmitteln.

Solche Anforderungen werden genauso dokumentiert wie andere technische Bedingungen und dürfen nicht erst nach der Beschaffung auffallen.

Eine Anforderung prüfbar formulieren

Zu ungenau

„Der Rechner muss schnell sein.“

Besser

„Die für den Arbeitsplatz benötigten Anwendungen müssen im vorgesehenen Nutzungsszenario gleichzeitig betrieben werden können.“

Noch konkreter, wenn Daten vorliegen

Die technischen Mindest- beziehungsweise empfohlenen Voraussetzungen der erforderlichen Anwendungen werden als prüfbare Kriterien dokumentiert.

Welche Genauigkeit sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Informationen zuverlässig verfügbar sind.

Mindestanforderung, Zielanforderung und Wunsch

Nicht jede Anforderung besitzt dieselbe Bedeutung. Für die weitere Entscheidung kann eine einfache Priorisierung hilfreich sein.

Mindestanforderung

Muss erfüllt sein, damit die Lösung für den vorgesehenen Einsatz überhaupt geeignet ist.

Zielanforderung

Soll nach Möglichkeit erreicht werden und verbessert die Eignung der Lösung.

Zusätzlicher Wunsch

Bringt zusätzlichen Nutzen, ist aber für die grundsätzliche Eignung nicht zwingend erforderlich.

Wichtig: Die Priorität darf nicht willkürlich vergeben werden. Sie muss sich aus dem Kundenbedarf und den Rahmenbedingungen begründen lassen.

Typischer Denkfehler

„Wir wissen, dass Bildbearbeitung benötigt wird. Also schreiben wir direkt eine bestimmte Grafikkarte in die Anforderungsliste.“

Damit wäre eine konkrete Lösung möglicherweise zu früh festgelegt.

Zuerst sollte geprüft werden, welche Anwendungen, Dateigrößen und tatsächlichen Leistungsanforderungen bestehen. Daraus können später geeignete technische Auswahlkriterien entstehen.

Praxisfall: K-27 konkretisiert die Anforderungen

Für die zwei Bildarbeitsplätze liegen jetzt folgende Informationen vor:

  • eine bestimmte Bildbearbeitungsanwendung muss weiter genutzt werden,
  • die Beschäftigten arbeiten regelmäßig mit größeren Bilddateien,
  • zwei vorhandene Monitore sollen pro Arbeitsplatz weitergenutzt werden,
  • Videokonferenzen laufen häufig parallel zur Bürosoftware,
  • ein vorhandenes Eingabegerät muss an einem Arbeitsplatz weiter funktionieren.

Ihre Aufgabe: Formulieren Sie daraus mindestens fünf Anforderungen.

Kennzeichnen Sie jede davon als Mindestanforderung, Zielanforderung oder zusätzlichen Wunsch und begründen Sie Ihre Einordnung.

Das SemaTrain-Anforderungsblatt

Für die weitere Bearbeitung kann jede Anforderung in einer einheitlichen Struktur dokumentiert werden:

1. Bedarf Warum wird etwas benötigt?
2. Anforderung Was muss die Lösung erfüllen?
3. Prüfkriterium Wie lässt sich die Erfüllung feststellen?
4. Priorität Mindestanforderung, Ziel oder Wunsch?

Dieses Anforderungsblatt ist ein eigenständig entwickeltes SemaTrain-Lernmodell.

Vom Anforderungsblatt zum Auswahlkriterium

Eine dokumentierte Anforderung wird später in ein Kriterium übersetzt, mit dem konkrete Produkte verglichen werden können.

Bedarf:
Zwei vorhandene Monitore sollen weitergenutzt werden.

Anforderung:
Beide Monitore müssen gleichzeitig betrieben werden können.

Prüfkriterium:
Die Arbeitsplatzlösung unterstützt die erforderliche Anzahl, Anschlussart und vorgesehene Darstellung der beiden Monitore.

Späteres Auswahlkriterium:
Passende vorhandene beziehungsweise unterstützte Bildschirmausgänge.

Die konkrete Auswertung von Datenblättern erfolgt erst in LF2.4.

TRANSFER

Transfer

Ein Kunde benötigt einen mobilen Arbeitsplatz und sagt:

„Der Laptop muss einen ganzen Außendiensttag durchhalten und an unseren Büroarbeitsplätzen mit vorhandener Peripherie funktionieren.“

Welche Anforderungen müssten daraus abgeleitet und welche Punkte müssten noch genauer geklärt werden?

Trennen Sie auch hier zwischen Bedarf, Anforderung und noch fehlender Information.

Selbsttest

Selbsttest: Hardware- und Softwareanforderungen ableiten

Prüfen Sie, ob Sie aus einem geklärten Kundenbedarf konkrete und überprüfbare Anforderungen für einen IT-Arbeitsplatz ableiten können.

Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.

1 K-27 benötigt Arbeitsplätze für Büroanwendungen, Videokonferenzen und regelmäßige Bildbearbeitung. Was ist jetzt der sinnvollste nächste Schritt?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

2 Welche Bereiche können bei der Ableitung von Arbeitsplatzanforderungen relevant sein?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

3 Welche Formulierung ist als Anforderung am besten überprüfbar?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

4 Ein Mitarbeiter benötigt für seine Arbeit eine bereits vorhandene Spezialanwendung. Der Hersteller nennt dafür technische Mindestvoraussetzungen. Wie sollten diese behandelt werden?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

5 Welche Aussagen sprechen für eine gut formulierte Anforderung?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

6 K-27 besitzt bereits Peripheriegeräte, die weiterverwendet werden sollen. Welche Konsequenz ist sinnvoll?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

7 Warum kann eine Priorisierung von Anforderungen sinnvoll sein?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

8 Wann ist die Anforderungsanalyse von LF2.2 ausreichend vorbereitet für die folgenden Auswahlmodule?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

PRAXISAUFGABE

Praktische Lernaufgabe

Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.
Bearbeiten Sie die Aufgabe für Ihre eigene Lernkontrolle. Ihre Anforderungsliste wird von SemaTrain derzeit weder hochgeladen noch an einen Trainer übermittelt.

Nutzen Sie die Bedarfsklärung aus LF2.1 oder diese Ausgangssituation:

Sechs Verwaltungsarbeitsplätze sollen erneuert werden. Genutzt werden Bürosoftware, Browser, Videokonferenzen und eine bestehende Fachanwendung. Vorhandene Monitore und USB-Peripherie sollen möglichst weiterverwendet werden. Die Geräte sollen mehrere Jahre eingesetzt werden.

Erstellen Sie mindestens acht Anforderungen. Dokumentieren Sie jeweils:

  1. den zugrunde liegenden Bedarf,
  2. die konkrete Anforderung,
  3. ein mögliches Prüfkriterium,
  4. die Priorität: Mindestanforderung, Zielanforderung oder zusätzlicher Wunsch.

Prüfen Sie danach kritisch, ob Sie irgendwo bereits ohne sachlichen Grund ein konkretes Produkt vorweggenommen haben.

SELBSTKONTROLLE

Selbstkontrolle

  • Lässt sich jede Anforderung auf einen Kundenbedarf oder eine bestätigte Rahmenbedingung zurückführen?
  • Sind unscharfe Begriffe ausreichend konkretisiert?
  • Kann später überprüft werden, ob die Anforderung erfüllt ist?
  • Sind vorhandene Systeme und Schnittstellen berücksichtigt?
  • Sind nutzerbezogene oder barrierefreie Anforderungen berücksichtigt, sofern relevant?
  • Ist die Priorisierung begründet?
  • Habe ich noch keine konkrete Produktauswahl vorweggenommen?

REFLEXION

Reflexion

Können Sie jetzt erklären:

  • wie aus einem Bedarf eine konkrete Anforderung entsteht,
  • warum Anforderungen möglichst überprüfbar sein sollten,
  • warum vorhandene Systeme und Nutzeranforderungen früh berücksichtigt werden müssen,
  • warum eine Lösung nicht unnötig früh auf ein bestimmtes Produkt festgelegt werden sollte,
  • wie aus dokumentierten Anforderungen später Auswahlkriterien entstehen?

Quellen & Einordnung

Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Lernfeld 2.

Im Lernfeld werden aus dem aufgenommenen Kundenwunsch Anforderungen an Soft- und Hardware ermittelt, dokumentiert und anschließend als Grundlage für Auswahlkriterien genutzt.

KMK-Rahmenlehrplan öffnen

Einordnung:
Das SemaTrain-Anforderungsblatt, sämtliche Beispiele, Fallkonstruktionen, Aufgaben, MC-Fragen, Antwortoptionen und Lösungen wurden eigenständig für SemaTrain entwickelt.

Für die Kernkompetenz dieser Lektion ist keine spezielle Rechtsnorm erforderlich.

Quellen- und Methodikprinzip von SemaTrain ansehen

Nächster Lernschritt

Die technischen und organisatorischen Anforderungen sind nun dokumentiert.

Als Nächstes wird geprüft, welche Vorgaben, Kennzeichnungen und Sicherheitsaspekte bei IT-Geräten und Komponenten berücksichtigt werden müssen.

LF2.3 – Normen, Kennzeichnungen und Sicherheit berücksichtigen öffnen