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SemaTrain Fachinformatiker LF1–LF4 vollständig

LF1 · Erkunden

LF1.4 – Organisation und Rechtsform

Wer macht was im Unternehmen – und was bedeutet die Rechtsform GmbH?

Lernfeld 1 · Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben

Curriculum-Faden

Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf

Handlungsphase: Erkunden

Leistungsschwerpunkte und Besonderheiten des Unternehmens erkunden sowie Aufbauorganisation und Rechtsform grundlegend einordnen.

Baut auf

Betriebliche Leistungserstellung aus LF1.3.

Bereitet vor

LF1.5 betrachtet den persönlichen Handlungsspielraum innerhalb dieser Organisation.

Bewusste Abgrenzung dieser Lektion

Keine vollständige Gesellschaftsrechtslehre; Rechtsnormen nur zur konkreten Einordnung des fiktiven GmbH-Beispiels.

Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 1

Berufliche Ausgangssituation

Sie arbeiten weiterhin bei der fiktiven Nordstern IT-Service GmbH.

Eine neue Auszubildende möchte wissen, wer für Kundenangebote zuständig ist, an wen technische Probleme eskaliert werden und warum das Unternehmen eigentlich „GmbH“ heißt.

Ihre Aufgabe besteht darin, die organisatorische Struktur des Unternehmens verständlich zu erklären und die Rechtsform davon abzugrenzen.

Was verlangt das Lernfeld?

Lernfeld 1 sieht ausdrücklich vor, dass Sie sich mit der Organisationsstruktur beziehungsweise Aufbauorganisation und der Rechtsform des Unternehmens auseinandersetzen.

Kernidee: Die Aufbauorganisation beantwortet Fragen wie „Wer übernimmt welche Aufgabe?“ und „Welche Bereiche und Zuständigkeiten gibt es?“.

Leistungsschwerpunkte und Besonderheiten erkunden

Bevor die interne Organisation betrachtet wird, sollte klar sein, welche Leistungen ein Unternehmen schwerpunktmäßig erbringt und wodurch sich seine betriebliche Situation auszeichnet.

Für einen IT-Dienstleister können beispielsweise folgende Fragen hilfreich sein:

  • Welche Leistungen werden regelmäßig für Kunden erbracht?
  • Welche Kundengruppen stehen im Mittelpunkt?
  • Welche Leistungen werden selbst erbracht und wo werden Partner oder Lieferanten benötigt?
  • Welche technischen, organisatorischen oder wirtschaftlichen Besonderheiten prägen den Betrieb?
  • Welche Bereiche müssen besonders eng zusammenarbeiten?
Bezug zum Leitprojekt: Bei der fiktiven Nordstern IT-Service GmbH dienen diese Fragen dazu, anschließend nachvollziehen zu können, warum bestimmte organisatorische Bereiche und Zuständigkeiten benötigt werden.

Aufbauorganisation: Wer macht was?

Die Aufbauorganisation beschreibt die grundlegende Gliederung eines Unternehmens.

Sie kann beispielsweise zeigen:

  • welche organisatorischen Bereiche existieren,
  • welche Stellen oder Funktionen vorgesehen sind,
  • wer wem organisatorisch zugeordnet ist,
  • wo bestimmte Aufgaben und Verantwortlichkeiten liegen.

Eine häufig verwendete Darstellungsform ist das Organigramm.

Vereinfachtes Organigramm der Nordstern IT-Service GmbH

Geschäftsführung Unternehmensleitung
↓
Kundenberatung Anforderungen, Angebote, Kundenkontakt
Technik Systeme, Software, Netzwerke und Support
Verwaltung Organisation und kaufmännische Aufgaben

Dieses Organigramm ist ein eigenständig entwickeltes, vereinfachtes SemaTrain-Beispiel für das fiktive Unternehmen Nordstern. Reale Unternehmen können vollständig anders organisiert sein.

Aufbauorganisation ist nicht Ablauforganisation

Die Aufbauorganisation betrachtet vor allem Strukturen und Zuständigkeiten.

Ein Geschäfts- oder Arbeitsprozess betrachtet dagegen, wie eine Aufgabe über mehrere Arbeitsschritte hinweg durchgeführt wird.

Merksatz: Aufbauorganisation: Wer ist wofür zuständig?
Prozessbetrachtung: Wie läuft eine Aufgabe ab?

Typischer Denkfehler

Eine Position im Organigramm sagt nicht automatisch, welche Rechtsgeschäfte eine Person für das Unternehmen abschließen darf.

Organisatorische Zuständigkeit und rechtliche Vertretungs- beziehungsweise Handlungsmacht müssen voneinander unterschieden werden.

Genau mit dem persönlichen Handlungs- und Entscheidungsspielraum beschäftigen wir uns in LF1.5 ausführlicher.

Was bedeutet Rechtsform?

Die Rechtsform beschreibt den rechtlichen Rahmen, in dem ein Unternehmen organisiert ist.

Je nach Rechtsform können sich beispielsweise Unterschiede bei Vertretung, Haftung, Kapitalstruktur und weiteren rechtlichen Anforderungen ergeben.

Unser fiktives Beispielunternehmen trägt die Bezeichnung Nordstern IT-Service GmbH. Deshalb betrachten wir die GmbH hier exemplarisch.

Die GmbH als Beispiel

Haftung

Für die Verbindlichkeiten der GmbH haftet den Gläubigern nach § 13 Absatz 2 GmbHG das Gesellschaftsvermögen.

Die Aussage beschreibt die gesetzliche Grundregel der GmbH und ersetzt keine rechtliche Prüfung eines konkreten Einzelfalls.

§ 13 Abs. 2 GmbHG

Praxisfall: Wer ist zuständig?

Ein Kunde meldet eine komplexe technische Störung und möchte gleichzeitig wissen, ob daraus zusätzliche Kosten entstehen.

Die technische Analyse liegt bei Nordstern im Bereich Technik. Preisliche und vertragliche Fragen werden dagegen über die Kundenberatung geklärt.

Ihre Aufgabe: Erklären Sie, warum eine klare Aufbauorganisation in diesem Fall sinnvoll ist und welche Informationen zwischen den Bereichen ausgetauscht werden müssen.

Warum ist das für Fachinformatiker wichtig?

Im Berufsalltag müssen Sie häufig wissen:

  • wer eine Entscheidung treffen darf,
  • wer fachlich verantwortlich ist,
  • an wen ein Problem weitergegeben werden muss,
  • welche anderen Bereiche von Ihrer Tätigkeit betroffen sind,
  • wer gegenüber einem Kunden kommuniziert.

Eine technische Aufgabe ist deshalb häufig auch in organisatorische Strukturen eingebettet.

TRANSFER

Transfer

Ein Auszubildender erkennt bei einer Kundeninstallation, dass zusätzliche kostenpflichtige Hardware benötigt wird.

Er ist technisch in der Lage, die Hardware auszuwählen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er sie im Namen des Unternehmens verbindlich bestellen darf.

Welche zwei unterschiedlichen Fragen müssen hier getrennt betrachtet werden?

Hinweis: Denken Sie an fachliche Zuständigkeit einerseits und rechtlichen beziehungsweise betrieblichen Entscheidungsspielraum andererseits.

Selbsttest

Selbsttest: Organisation und Rechtsform

Prüfen Sie, ob Sie Aufbauorganisation und Rechtsform unterscheiden und grundlegende Merkmale einer GmbH einordnen können.

Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.

1 Was beschreibt die Aufbauorganisation eines Unternehmens am treffendsten?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

2 Welche Informationen kann ein Organigramm typischerweise sichtbar machen?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

3 Welche Aussage unterscheidet Rechtsform und Aufbauorganisation richtig?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

4 Welche Aussagen über eine GmbH werden durch § 13 GmbHG gestützt?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

5 Wer vertritt eine GmbH nach § 35 GmbHG grundsätzlich gerichtlich und außergerichtlich?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

6 Wie hoch muss das Stammkapital einer GmbH nach § 5 Absatz 1 GmbHG mindestens sein?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

7 Nordstern besitzt die Bereiche Geschäftsführung, Kundenberatung, Technik und Verwaltung. Was beschreibt diese Einteilung?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

8 Warum sollte ein Fachinformatiker die Organisationsstruktur seines Unternehmens kennen?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

PRAXISAUFGABE

Praktische Lernaufgabe

Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.
Bearbeiten Sie diese Aufgabe für Ihre eigene Lernkontrolle. Ihre offene Lösung wird von SemaTrain derzeit weder hochgeladen noch an einen Trainer übermittelt.

Entwerfen Sie ein einfaches Organigramm für einen fiktiven IT-Dienstleister.

Verwenden Sie mindestens:

  • eine Unternehmensleitung,
  • drei organisatorische Bereiche,
  • jeweils zwei typische Aufgaben pro Bereich.

Beschreiben Sie anschließend einen Kundenauftrag, bei dem mindestens zwei dieser Bereiche zusammenarbeiten müssen.

REFLEXION

Reflexion

Können Sie jetzt erklären:

  • warum Aufbauorganisation und Prozess nicht dasselbe sind,
  • warum eine organisatorische Zuständigkeit noch keine rechtliche Vertretungsbefugnis bedeutet,
  • welche grundlegenden Merkmale die Rechtsform GmbH für unser Beispielunternehmen besitzt,
  • warum Sie die Organisationsstruktur Ihres eigenen Ausbildungsbetriebes kennen sollten?

Quellen & Einordnung

Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Lernfeld 1.

Der Rahmenlehrplan ordnet die Beschäftigung mit Aufbauorganisation und Rechtsform ausdrücklich Lernfeld 1 zu.

KMK-Rahmenlehrplan öffnen

Rechtsgrundlagen für das GmbH-Beispiel

Einordnung:
Die Rechtsnormen belegen nur die jeweils genannten Rechtsaussagen zur GmbH. Das Organigramm, das Beispielunternehmen, sämtliche Erklärungen, Praxisfälle, Aufgaben, MC-Fragen, Distraktoren und Lösungen wurden eigenständig für SemaTrain entwickelt.

Die Darstellung dient der beruflichen Bildung und ersetzt keine Rechtsberatung für einen konkreten Einzelfall.

Quellen- und Methodikprinzip von SemaTrain ansehen

Nächster Lernschritt

Als Nächstes geht es um Ihre eigene Rolle: Welche Entscheidungen dürfen Sie selbst treffen, wann müssen Sie Rücksprache halten und was bedeuten Vollmachten im Unternehmen?

LF1.5 – Eigene Rolle und Entscheidungsspielraum öffnen