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SemaTrain Fachinformatiker LF1–LF3 vollständig · LF4 im Aufbau

LF4 · Planen · 5 h

LF4.3 – Schutzobjekte und Schutzbedarf vorbereiten

Informationen, Anwendungen und IT-Systeme eindeutig strukturieren, Abhängigkeiten sichtbar machen und den Schutzbezug vorbereiten – noch ohne finale Schutzbedarfskategorie.

Lernfeld 4 · Schutzbedarfsanalyse im eigenen Arbeitsbereich durchführen

Curriculum-Faden

Diese Teilkompetenz bauen Sie hier auf

Handlungsphase: Planen

Zu schützende Informationen, Anwendungen und Systeme im eigenen Arbeitsbereich strukturiert erfassen und ihren Schutzbezug hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit vorbereiten.

Baut auf

LF4.2 hat rechtliche und betriebliche Vorgaben für den Arbeitsbereich eingeordnet.

Bereitet vor

LF4.4 klassifiziert plausible Schadensszenarien und begründet daraus den Schutzbedarf.

Bewusste Abgrenzung dieser Lektion

Strukturierte Vorbereitung der Schutzbedarfsanalyse; noch keine finale Schutzbedarfskategorie.

Curriculumquelle: KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker, Lernfeld 4

Berufliche Ausgangssituation

Im fiktiven K-27 Medienbüro sind der Arbeitsbereich, seine Sicherheitsleitlinie und die für den Lernfall relevanten Vorgaben aus LF4.1 und LF4.2 bekannt.

Nun soll vorbereitet werden, welche konkreten Gegenstände später hinsichtlich ihres Schutzbedarfs betrachtet werden. Im Arbeitsbereich werden unter anderem Benutzer- und Berechtigungsinformationen verarbeitet, eine Benutzerverwaltungsanwendung genutzt und dafür technische Systeme eingesetzt.

Eine belastbare Bewertung ist erst möglich, wenn die Bewertungsgegenstände eindeutig benannt und ihre Beziehungen nachvollziehbar sind.

LF4.3 fragt nicht: „Wie hoch ist der Schutzbedarf?“
LF4.3 fragt zuerst: „Was genau betrachten wir – und wovon hängt es ab?“

Drei Schutzobjekt-Typen im Lernfall

Information

Inhalt, der für den Arbeitsbereich fachlich relevant ist, zum Beispiel Rollen- und Berechtigungszuordnungen, Kontostatus oder dokumentierte Freigaben.

Anwendung

Software beziehungsweise fachlich genutzte Softwarefunktion, mit der Informationen verarbeitet, angezeigt oder verändert werden, zum Beispiel die Benutzerverwaltung.

IT-System

Technische Plattform oder Gerät, auf dem Anwendungen und Daten bereitgestellt oder verarbeitet werden, zum Beispiel Arbeitsplatzrechner, Anwendungsserver oder Speichersystem.

Diese Einteilung ist für den SemaTrain-Lernfall bewusst reduziert. Sie ersetzt keine vollständige organisationsweite BSI-Grundschutz-Modellierung.

Warum eindeutige IDs helfen

Bezeichnungen wie „Server“, „Daten“ oder „Programm“ sind für eine spätere Begründung zu ungenau. Eine kurze ID macht Verweise eindeutig und verhindert, dass verschiedene Objekte versehentlich vermischt werden.

  • I-01 – Rollen- und Berechtigungszuordnungen
  • I-02 – Kontostatus und Benutzerkennung
  • A-01 – Benutzerverwaltungsanwendung
  • S-01 – Administrationsarbeitsplatz
  • S-02 – Anwendungsserver
  • S-03 – Speichersystem für die Anwendungsdaten
Eine ID ist ein Dokumentationswerkzeug – noch keine Bewertung.

Zweck und betriebliche Funktion dokumentieren

Die Bezeichnung allein erklärt nicht, warum ein Objekt im Arbeitsbereich relevant ist. Deshalb wird zusätzlich beschrieben, welche Aufgabe es dort erfüllt.

IDTypBezeichnungZweck / betriebliche Funktion
I-01InformationRollen- und BerechtigungszuordnungenDokumentiert, welche vorgesehenen Zugriffsrechte einem Benutzerkonto zugeordnet sind.
A-01AnwendungBenutzerverwaltungErfasst und pflegt Benutzerkonten, Rollen und Kontostatus im betrachteten Bereich.
S-02IT-SystemAnwendungsserverStellt die Benutzerverwaltungsanwendung für den Arbeitsbereich technisch bereit.

Abhängigkeiten sichtbar machen

Schutzobjekte stehen nicht isoliert nebeneinander. Eine Information kann in einer Anwendung verarbeitet werden; die Anwendung kann von einem IT-System abhängen; mehrere Objekte können dieselbe technische Plattform nutzen.

Für den Lernfall kann beispielsweise dokumentiert werden:

  • I-01 wird in A-01 verarbeitet.
  • A-01 benötigt S-02, um bereitgestellt zu werden.
  • S-02 nutzt S-03 für persistente Anwendungsdaten.
  • Administratoren greifen von S-01 auf A-01 zu.

Diese Beziehungen helfen später dabei, Auswirkungen plausibler Schadensszenarien nachvollziehbar auf konkrete Objekte zu beziehen.

Schutzziele vorbereiten – nicht bewerten

Für jedes Schutzobjekt kann bereits festgehalten werden, welche der drei Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit im späteren Bewertungsprozess betrachtet werden müssen.

Das ist noch keine Schutzbedarfsstufe. Ein Eintrag wie „Vertraulichkeit: relevant“ bedeutet nicht automatisch „Schutzbedarf hoch“.

SchutzobjektVertraulichkeitIntegritätVerfügbarkeitHinweis
I-01 Rollen-/BerechtigungszuordnungrelevantrelevantrelevantKonkrete Schadensfolgen werden erst in LF4.4 betrachtet.
A-01 BenutzerverwaltungrelevantrelevantrelevantDie Anwendung verarbeitet und verändert die erfassten Informationen.
S-02 AnwendungsserverrelevantrelevantrelevantTechnische Abhängigkeit der Anwendung; noch keine Schutzbedarfsstufe.

Vorgaben aus LF4.2 zuordnen

Die Vorgabenmatrix aus LF4.2 wird nicht neu erfunden. Stattdessen werden relevante Nachweise an die Schutzobjekte angebunden.

  • Die fiktive K-27-Regel zur dokumentierten Rollen- und Berechtigungszuordnung kann I-01 und A-01 betreffen.
  • Die fiktive Regel zur Kontodeaktivierung kann A-01 und die darin verarbeiteten Kontoinformationen betreffen.
  • Bei personenbezogenen Informationen bleibt die in LF4.2 belegte DSGVO-Einordnung relevant; Datenschutz wird aber nicht auf alle Schutzobjekte pauschal übertragen.
  • BSI-Standard 200-2 bleibt methodische Fachquelle für den weiteren Weg der Schutzbedarfsanalyse.
Eine Quelle wird nur dort zugeordnet, wo ihr Geltungsbezug im konkreten Lernfall nachvollziehbar ist.

Schutzobjektliste als Arbeitsergebnis

IDTypBezeichnungZweck / FunktionArbeitsbereichAbhängigkeitenSchutzzielbezugVorgabe / NachweisOffener Punkt
I-01InformationRollen- und BerechtigungszuordnungenVorgesehene Zugriffsrechte dokumentierenK-27 Benutzerverwaltungwird in A-01 verarbeitetV / I / A betrachtenK-27-Vorgaben; bei Personenbezug LF4.2-Rechtsbezugkonkrete Schadensfolgen noch offen
A-01AnwendungBenutzerverwaltungKonten, Rollen und Status pflegenK-27 Benutzerverwaltungbenötigt S-02 und S-03V / I / A betrachtenK-27-Vorgaben; BSI-FachmethodikSchutzbedarf noch offen
S-02IT-SystemAnwendungsserverA-01 technisch bereitstellenK-27 Benutzerverwaltungnutzt S-03; Zugriff von S-01V / I / A betrachtenBSI-FachmethodikAuswirkungen eines Ausfalls erst LF4.4

Typische Fehlentscheidungen vermeiden

  • Information, Anwendung und IT-System ohne Begründung vermischen.
  • Den gesamten Unternehmensbestand aufnehmen, obwohl der Arbeitsbereich klar abgegrenzt ist.
  • Aus „Schutzziel relevant“ bereits eine finale Schutzbedarfskategorie ableiten.
  • Eine technische Maßnahme auswählen, bevor Schadensszenarien und Bedrohungen bewertet wurden.
  • Unklare Abhängigkeiten erfinden, statt sie als offenen Punkt zu kennzeichnen.
  • Eine vollständige BSI-Grundschutz-Modellierung vorziehen, obwohl LF4.3 nur die curricular benötigte Vorbereitung verlangt.

PRAXISAUFGABE

Praktische Lernaufgabe

Erstellen Sie aus den folgenden fiktiven Angaben eine Schutzobjektliste:

  • Die Benutzerverwaltung verarbeitet Benutzerkennung, Kontostatus sowie Rollen- und Berechtigungszuordnungen.
  • Die Anwendung wird auf einem Anwendungsserver betrieben.
  • Anwendungsdaten liegen auf einem separaten Speichersystem.
  • Administratoren nutzen einen dafür vorgesehenen Arbeitsplatz.
  • Die in LF4.2 dokumentierten K-27-Vorgaben gelten weiterhin.

Vergeben Sie IDs, ordnen Sie jeden Gegenstand einem Typ zu, beschreiben Sie Zweck und Abhängigkeiten, markieren Sie den Schutzzielbezug und dokumentieren Sie mindestens einen offenen Punkt.

Nicht durchführen: finale Schutzbedarfskategorie vergeben, Schadensklasse festlegen, Bedrohungen gewichten oder Maßnahmen auswählen.

Selbsttest

Selbsttest LF4.3 – Schutzobjekte und Schutzbedarf vorbereiten

Prüfen Sie, ob Sie Informationen, Anwendungen und IT-Systeme im abgegrenzten K-27-Arbeitsbereich strukturiert erfassen, voneinander unterscheiden und für die spätere Schutzbedarfsbegründung vorbereiten können.

Alle Fragen und Antwortmöglichkeiten dieses Selbsttests wurden für SemaTrain eigenständig entwickelt.

1 Welche Zuordnung ist für die Schutzobjektliste fachlich am passendsten?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

2 Welche Angaben gehören in die LF4.3-Schutzobjektliste?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

3 Warum sollten Anwendung und IT-System in LF4.3 getrennt dokumentiert werden?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

4 Welche Abhängigkeiten sind für die Vorbereitung der späteren Schutzbedarfsanalyse sinnvoll zu dokumentieren?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

5 Wie werden Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit in LF4.3 verwendet?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

6 Welche Prüfungen helfen, den Geltungsbereich der Schutzobjektliste sauber zu halten?

Mehrfachauswahl – eine oder mehrere Antworten können richtig sein.

7 Warum wird in LF4.3 noch keine finale Schutzbedarfskategorie vergeben?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

8 Welcher Lernschritt folgt unmittelbar auf LF4.3?

Einfachauswahl – genau eine Antwort ist richtig.

Praxisauftrag

Selbsttraining – keine Abgabe erforderlich.

Erstellen Sie für einen vollständig fiktiven, klar abgegrenzten Arbeitsbereich eine Schutzobjektliste mit mindestens neun Einträgen:

  • mindestens drei Informationen,
  • mindestens drei Anwendungen,
  • mindestens drei IT-Systeme,
  • zu jedem Eintrag eine eindeutige ID und eine betriebliche Funktion,
  • mindestens eine relevante Abhängigkeit, sofern vorhanden,
  • Schutzzielbezug als Vorbereitung,
  • relevante Vorgabe oder Nachweis aus einer bereits geklärten Quellenebene,
  • offene Punkte ausdrücklich kennzeichnen.

Vergeben Sie noch keine finale Schutzbedarfskategorie. Klassifizieren Sie noch keine Schadensszenarien, gewichten Sie noch keine Bedrohungen und setzen Sie noch keine technische Maßnahme um.

SELBSTKONTROLLE

Selbstkontrolle

  • Kann ich Information, Anwendung und IT-System voneinander unterscheiden?
  • Kann ich jedem Schutzobjekt eine eindeutige ID und Funktion zuordnen?
  • Kann ich relevante Abhängigkeiten dokumentieren?
  • Kann ich die drei Schutzziele als Vorbereitung erfassen, ohne daraus bereits eine Stufe abzuleiten?
  • Kann ich Vorgaben aus LF4.2 passend zuordnen?
  • Kennzeichne ich unklare Zuordnungen als offenen Punkt?
  • Bleibt die Schadens- und Schutzbedarfsbewertung für LF4.4 offen?

REFLEXION

Reflexion

  • Warum ist eine eindeutige Schutzobjekt-ID für spätere Begründungen hilfreich?
  • Welche Fehler entstehen, wenn Anwendung und IT-System nicht getrennt werden?
  • Welche Abhängigkeit würde im eigenen Beispiel besonders viele Schutzobjekte betreffen?
  • Warum reicht „Verfügbarkeit ist relevant“ noch nicht für eine Schutzbedarfskategorie?
  • Welche offenen Punkte müssen vor LF4.4 noch geklärt werden?

Quellen & Einordnung

Curriculum-Grundlage:
KMK-Rahmenlehrplan für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Lernfeld 4.

KMK-Rahmenlehrplan öffnen

Offizielle Fachquelle:
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI-Standard 200-2, Version 1.0, Oktober 2017. Die Quelle dient hier als methodische Orientierung für Struktur- und Schutzbedarfsanalyse. SemaTrain übernimmt keine vollständige organisationsweite Grundschutz-Modellierung.

BSI-Standard 200-2 öffnen

Rechtsbezug aus LF4.2:
Personenbezogene Informationen behalten ihren dort belegten konkreten Rechtsbezug. LF4.3 führt keine neue Rechtsquelle und keine neue allgemeine Rechtsbehauptung ein.

Clean Room:
K-27-Fall, Schutzobjektliste, Beispiele, Aufgaben, Quizfragen, Antwortoptionen und Lösungen wurden eigenständig für SemaTrain entwickelt. Externe Quellen dienen nur als Curriculum-, Rechts- beziehungsweise Fachreferenz.

Curriculare Abgrenzung:
LF4.3 erfasst und strukturiert Schutzobjekte und Abhängigkeiten. Plausible Schadensszenarien und die begründete Schutzbedarfsbewertung folgen in LF4.4; Bedrohungsgewichtung und Maßnahmen folgen später.

Nächster Lernschritt

Die relevanten Informationen, Anwendungen und IT-Systeme des Arbeitsbereichs sind nun strukturiert und miteinander verknüpft.

Als Nächstes werden plausible Schadensszenarien betrachtet und der Schutzbedarf nachvollziehbar begründet.

LF4.4 öffnen – Schadensszenarien klassifizieren und Schutzbedarf begründen